Archiv für Juni 2014

Hier wurde vor 500 Jahren gemahlt

30 Juni 2014

Der Nordkurier berichtete am 24.06.2014 über die Gewölbemalereien in der Lindenberger Kirche und schrieb Folgendes:

 

Von Jana Otto

Wie ein unvollständiges Puzzle wirken die historischen Zeichnungen am Torbogen in der Lindenberger Kirche. Mutmaßungen, was auf dem Torbogen abgebildet sein könnte, gab es viele. Ein Restaurator löste jetzt das Rätsel.

 

Restaurator Simon Gebler (rechts) erklärt Pastorin Else Bernds-Fischer und Thomas Herold, welche Stellen der mittelalterlichen Malerei er noch ausbessern möchte. FOTO: JANA OTTO

Restaurator Simon Gebler (rechts) erklärt Pastorin Else Bernds-Fischer und Thomas Herold, welche Stellen der mittelalterlichen Malerei er noch ausbessern möchte. FOTO: JANA OTTO

LINDENBERG. Bäume und Häuser, Fragmente eines wallenden Gewandes, ein Bein, das im Wasser steht, und ein kleiner Fuß – mehr ist kaum zu erkennen am Torbogen. Für den Laien ein komplettes Durcheinander. Doch für Diplom-Restaurator Simon Gebler ergeben sie sehr wohl einen Sinn. „Das ist der Heilige Christophorus, der mit dem Jesus- Kind auf dem Arm durch das Wasser schreitet“, erläutert Simon Gebler. Daran besteht für den Fachmann kein Zweifel. Simon Gebler ist sich ziemlich sicher, dass einst der gesamte Torbogen so bemalt war. Heute ist gerade mal noch ein Drittel zu erkennen. Lange Zeit lagen die Zeichnungen unter Steinen
verborgen. Erst im Zuge der Bauarbeiten für die entstehende Winterkirche wurden die Zeichnungen (wieder) entdeckt. Der Torbogen wurde nach dem Brand des Kirchturms im Jahr 1920 zugemacht und war Teil einer Außenmauer. Die Verwitterung über die vergangenen Jahrzehnte hat den Zeichnungen arg zugesetzt, umso glücklicher ist Pastorin Else Bernds-Fischer, dass sich jetzt ein Restaurator der Mauer annimmt. Denn diese Fragmente, auch da ist sich Simon Gebler sicher, sind mit großer Wahrscheinlichkeit die ältesten Zeichnungen, die sich in der Lindenberger Kirche finden lassen. Kirchenaufzeichnungen zufolge wurden die Wände im Kirchenschiff 1597 bemalt. Es ist gut möglich, dass der Torbogen zu dieser Zeit schon fertig war. „Wenn man sich die Farben und die Technik anschaut, bestätigt das die Vermutung, dass es sich hier um die ursprünglichste Form handelt“, sagt Simon Gebler. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden viele Bilder einfach übertüncht. Während viele andere Zeichnungen in dem Gotteshaus in den 1950er Jahren bereits eine Restaurierung
erfahren haben, blieb der Torbogen davon ausgenommen. „Das ist definitiv noch die Originalfarbe“, meint der Fachmann. Der mittelalterliche Kirchenmaler habe sein Handwerk verstanden, lobt Simon Gebler. In den noch frischen Putz hatte der Künstler die Zeichnungen einst eingebracht, so dass Putz und Farbe miteinander verschmolzen. Dabei musste jeder einzelne Pinselstrich akurat sitzen. „Die Bilder zeigen einen ganz schnellen Pinselduktus, da steckt richtiges Können hinter“, ist selbst Simon Gebler fasziniert. Auf die Frage, ob er das einstige Bild auf dem Torbogen nicht komplett wiederherstellen könne, schüttelt der Fachmann nur müde lächelnd den Kopf. „Ich sorge dafür, dass das, was jetzt noch vorhanden ist, für die Zukunft erhalten bleibt“, sagt Simon Gebel. Also nichts da mit Vervollständigung. Ganz behutsam retuschiert der Experte einzelne Stellen, damit sie für das Auge des Betrachters wieder eine Einheit bilden. Dabei versucht Simon Gebler gar nicht erst, dem Stil des mittelalterlichen Kirchenmalers möglichst nahe zu kommen. „Später soll ja erkennbar sein, was ist Original und was ist hinzugekommen“, erläutert der Restaurator. Dass es ausgerechnet der Heilige Christophorus ist, der auf dem Torbogen gezeigt wird, ist für Simon Gebler nichts Ungewöhnliches. „Gerade in Eingangsbereichen von Kirchen gibt es ganz viele vergleichbare Darstellungen.“

 

Kontakt zur Autorin
j.otto@nordkurier.de

 

Quelle: Nordkurier, Demminer Zeitung vom 24.06.2014

Eitel Sonnenschein über der Winterkirche

18 Juni 2014

Der Nordkurier, Demminer Zeitung berichtete am 17.06.2014 mal wieder über unsere Lindenberger Kirche folgendes:

 

Von Jana Otto

Nachdem im vergangenen Oktober historische Zeichnungen in der Lindenberger Kirche aufgetaucht waren,  wurden die Bauarbeiten an der Winterkirche erst einmal
gestoppt. Jetzt nimmt das Projekt Winterkiche wieder Fahrt auf.

 

Hanns_Ludwig_Viebahn

Optimistischer Blick: Hanns- Ludwig Viebahn. FOTO: JOT

LINDENBERG. „Wir hoffen, dass sie noch in diesem Jahr fertig wird“, sagt Hanns-Ludwig Viebahn, Vorsitzender des Kirchfördervereins. Unter dem 2013 neu aufgestellten Lindenberger Kirchturm soll auf knapp
25 Quadratmetern ein Raum entstehen, der in der kalten Jahreszeit für Gottesdienste und andere kirchgemeindliche Arbeit genutzt werden kann. Der große Vorteil: Der durch eine Glaswand mit dem Kirchenschiff verbundene Raum lässt sich gerade im Winter viel einfacher beheizen – währenddessen die Gemeindeglieder nicht auf den Blick auf den schönen Lindenberger Altar verzichten müssen. Der Optimismus des Fördervereins-Vorsitzenden ist nicht unbegründet. Schließlich sind ein Großteil der Arbeiten bereits erledigt. Es wurden Wände verputzt, Lichtbänder eingesetzt, die Elektrik für die Wärmestrahler verlegt. Was momentan noch fehlt, ist der Fußbodenbelag sowie die besagte Glaswand. Doch die kann erst eingebaut werden, wenn ein Restaurator den Torbogen genauer unter die Lupe genommen hat. Während der Bauarbeiten waren dort nämlich im vergangenen Oktober historische Zeichnungen freigelegt worden, die solange im Verborgenen schlummerten. „Dieser ursprüngliche Eingang ist nach dem Kirchturmbrand 1920 zugemauert worden, um die Kirche abzudichten“, weiß Hanns-Ludwig Viebahn. Erst das Feuer, dann das jahrzehntelange Regenwasser haben ihre Spuren am alten Gemäuer und an den vergessenen Zeichnungen hinterlassen. Um noch zu retten, was erhalten geblieben ist, nimmt sich in diesen Tagen ein Restaurator der Sache an. Wenn er sein Werk vollendet hat, können auch die restlichen Arbeiten vollbracht werden. Vorausgesetzt, der Kirchgemeinderat kann auf seiner nächsten Sitzung noch ausstehende Entscheidungen treffen. So ist derzeit beispielsweise noch nicht klar, welchen Fußbodenbelag die Winterkirche bekommt. Holz, Beton oder Fliesen stehen zur Diskussion. Hanns-Ludwig Viebahn und seine Mitstreiter im Förderverein haben ihre Entscheidung diesbezüglich schon getroffen. „Die Mehrzahl tendiert zu Holz“, sagt der Vorsitzende. Doch egal, was schließlich verlegt wird, eines steht für Hanns-Ludwig Viebahn schon jetzt fest: „Unsere Kirche hat durch diesen Bau mächtig gewonnen.“

 

Quelle: Nordkurier, Demminer Zeitung vom 17.06.2014